Die Bierorgel

Was eine “Bierorgel”ist , weiß jeder Korporationsstudent.Dass es daneben aber auch eine echte,mit Bierflaschen betriebene Orgel gab und heute wieder gibt, ist für viele sicher neu.

Die Geschichte der echten “Bierorgel” geht auf das Jahr 1798 zurück und hat sich aud der Insel Helgoland zugetragen.Da die Orgel der Inselkirche sich aus Witterungsgründen ständig verstimmte, mußte ein Orgelstimmer regelmäßig vom Festland auf die Insel rudern, um der “Königin der Instrumente” wenigstensfür kurze Zeit wieder zum Wohlklang zu verhelfen.

Der Gemeinde war das ewige Zahlen für einen Orgelstimmer zufiel, und der Inselpfarrer bemühte sich um eine dauerhafte Lösung: Er beauftragte einen Instrumentenbauer aus Eisleben namens Johann Samuel Kühlewein, ein Organon zu errichten, das sich von Temperaturänderungen und Wetterbedingungen nicht “aus der Stimmung” bringen ließ.

Kühlewein kam auf den Gedanken, eine Orgel mit Glasflaschen anstelle von Holz- oder Metallpfeifen als Tonerzeuger zu verwenden.Aber wie stimmt man ein solches Instrument?Auch die (fast 100) Glasflaschen verstimmten sich natürlich, nachdem sie fertiggeblasen und abgekühlt waren. Kühlewein kam auf die Idee, Siegelwachs zur dauerhaften Stimmung zu benutzen,und nach erfolgreichen Tests segelte die erste Bierorgel der Geschichte nach Helgoland.Diese Orgel verbrachte ein langes Leben auf der Insel,bis sie im späten 19. Jahrhundert wegen Auswannderung der Bevölkerung an einen englischen Interessenten verkauft wurde.

Genau 200 Jahre später und 4.500 Meilen von Helholand etfernt bereitete sich die Firma Peterson Inc. in Illinois, ein Hersteller von stroboskopischen Stimmgeräten, auf ihr 50jähriges Firmenjubiläum im Jahr 1998 vor. Orgelbauer Gary Ricken hatte die `Schnapsidee`,eine Orgel zu bauen, die zur Tonerzeugung Bierflaschen benutzt.Genau wie Johannes Kühlewein vor ihm (zu dieser Zeit hatte man bei Peterson noch keine Ahnung, dass es bereits einen Vorläufer gegeben hatte),experimentierte man monatelang mit Flaschengrößen, Formen und Mitteln.Das Ergebnis war eine Bierflaschenorgel mit Walnußgehäuse, Messing-beschlägen und Beleuchtung, konventionell bespielbar , aber auch mit elektronischer Midi-Schnittstelle ausgestattet - auf Rollen leicht transportabel.Ein schalldichter Luftkompressor sorgt für das nötige Gebläse, und ein Luftreservoir (Chest) erlaubt das Spielen von bis zu 37 Tönen gleichzeitig ohne Schwierigkeiten.Inzwischen wird die Bierorgel sogar nach individuellen Kundenwünschen für Liebhaber produziert - für Preise ab 10.000 US-Dollar .

Die meistgestellte Frage an die Orgelbauer lautet übrigens:”Wer hat das Bier ausgetrunken?” Dazu John Norris von Petterson Inc.:”Wir selbst.Wir tun alles für die Forschung!”

 

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